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Kunstrasenbau muss warten

Rot-Weiß Lessenich: Geld und Ge­nehmi­gung sind da, aber die Stadt spricht ein Ver­bot aus

 

 

Bagger und Radlader stehen bereit, dürfen aber noch nicht eingesetzt werden. Hinten kicken noch Kinder auf dem alten Platz. FOTO: KLEINFELD

Bagger und Radlader stehen bereit, dürfen aber noch nicht eingesetzt werden. Hinten kicken noch Kinder
auf dem alten Platz.          FOTO: KLEINFELD

Von Rolf Kleinfeld


LESSENICH. Bagger und Radlader warten start­be­reit am Lesse­nicher Sport­platz, die Con­tainer der Bau­leute sind auch schon auf­ges­tellt. Doch mit dem Bau des neuen Kunst­rasens für den FC Rot-Weiß Lesse­nich darf die Firma noch nicht an­fangen. Die Stadt Bonn hat es unter­sagt.
Beim Verein ist man fass­ungs­los, daß der Start­schuß immer noch nicht fällt: Der Rats­be­schluss ist längst da, die Pla­nung steht, die Finan­zierung auch, der Erb­bau­pacht­ver­trag ist unter­schrieben. Auch die zu­letzt noch not­wen­dige Ver­messung des Platzes sei in­zwischen er­folgt, be­richtet Marco Jost, Vor­sitz­ender der Rot-Weißen.
Daß es trotz der er­teil­ten Bau­ge­nehmi­gung nicht los­geht, hat be­hörd­liche Gründe. Erst wenn das Erb­bau­recht im Grund­buch des Amts­ge­richts ein­ge­tragen und das Ver­fahren „ge­ord­net“ ab­ge­schlossen sei, könne der Bau­be­ginn erfolgen­, teilte die Stadt Jost mit. Bis dahin müsse der Bau zu­rück­ge­stellt werden, so Sport­amts­leiter Martin Herkt. Und er fügte hinzu: „Der guten Ord­nung halber unter­sage ich Ihnen hier­mit förm­lich, vor Ein­tra­gung des Erb­bau­rechtes im Grund­buch bau­liche Akti­vi­täten auf dem Sport­platz zu ver­an­lassen.“ Halte sich der Club nicht daran, könne das Schaden­er­satz­an­sprüche aus­lösen. Das frus­triert den Verein. „Wir haben alle Vor­aus­setz­ungen er­füllt, die ver­langt waren“, sagt Jost und glaubt: „Es kann schnell gehen, wenn die Stadt es nur will.“

Er legt nun Hoff­nung in ein Ge­spräch von Ober­bürger­meister Jürgen Nimptsch mit den beiden be­tei­lig­ten Amts­leitern am kom­menden Mitt­woch. „Die Stadt muss nur sagen, daß sie will, und es könnte hier sofort los­gehen.“ Schließ­lich trage sie kein Risiko. Egal, welche Ver­trags­kon­struk­tion ge­wählt werde, die Stadt Bonn sei auf der sicheren Seite. „Und so güns­tig wie mit uns als Pri­vat­in­ves­tor kommt sie nie wieder an einen neuen Kunst­rasen. Des­halb ver­stehe ich nicht, wo das Risiko liegt.“
Bei­stand be­kommt der Verein von der SPD, für die Rats­herr Peter Kox schon forderte: „Der Ver­ein be­nö­tigt drin­gend Unter­stüt­zung, ins­be­son­dere auch von den be­tei­lig­ten Be­hör­den, die wohl­wollend und mit Hoch­druck ihren Teil dazu bei­tragen müssen, daß hier kein Fiasko ent­steht.“
Auch die Linke hat sich dem an­ge­schlossen und rea­giert mit Un­ver­ständ­nis auf die „un­nötige“ Ver­zö­gerung, er­klärte Sport­sprecher Tobias Haßdenteufel. Seine Frak­tion drängt wie die SPD auf schnelle und un­büro­kra­tische Lö­sungen.
Für Haßdenteufel gibt die Stadt dabei kein gutes Bild ab: „Diese Vor­gänge reihen sich ein in die ver­heer­enden Sig­nale, die die an­geb­liche Sport­stadt Bonn der­zeit aus­sen­det“, findet er. Für den Verein besonders bitter: Es ist möglich, daß die Baufirma ihre Bagger zu einer anderen Baustelle abzieht oder wegen der Terminverspätung das Angebot ganz zurückzieht. „Bisher können wir die Bauleute hinhalten, noch hierzubleiben“, sagt Jost.
Anders ist das mit dem Kredit bei der Bank. Ab Mitte Oktober

werden Bereitstellungszinsen für das ver­spätet abzurufende Geld fällig. Und das sind pro Monat 900 Euro.
Die Stadt ließ über das Presseamt
mitteilen, die Vermessungswerte werden jetzt übertragen, danach könne der Notar die Eintragung ins Grundbuch beantragen. „Das ist ein Vorgang, den wir nicht beschleunigen können“, erklärte eine Sprecherin.


Der Kunstrasenbau

Der Ver­ein baut den Kunst­rasen­platz in Eige­nregie mit Hilfe eines Kre­dits sowie Spen­den, Spon­soren und Mit­glieder­bei­trä­gen, die Stadt be­tei­ligt sich mit einem jähr­lichen Pflege­zus­chuss von 19.000,-€ pro Jahr. Der Ver­ein über­nimmt die Pflege und er­hält ein kosten­loses Nutz­ungs­recht über 20 Jahre, so das Kon­zept. Die Pla­nun­gen be­gan­nen vor zwei Jahren, der Stad­trat ge­nehm­igte die Idee im Sep­tem­ber 2013. Ei­gent­lich wäre der Um­bau des Platzes nach ak­tu­eller Prio­ri­täten­liste nicht vor 2015 mög­lich ge­wesen. Durch den Bau in Eigen­regie soll schon 2014 der Start­schuss fallen. Nach Er­teilen der Bau­ge­nehmi­gung er­gab die Aus­schrei­bung, daß der Bau ver­mut­lich preis­werter als 500.000,-€ wird. Der sym­bo­lische erste Spaten­stich für den neuen Kunst­rasen­platz fand Ende Juni statt.


Rolf Kleinfeld

Rolf Kleinfeld

Kommentar

Von GA-Redakteur Rolf Kleinfeld

Zeit für ein Machtwort

Wenn ein Sport­verein in Eigen­regie einen Kunst­rasenp­latz baut und sich in ein finan­zielles Wag­nis stürzt, ist das ein Enga­ge­ment, das nicht hoch ge­nug zu würdigen ist.

Doch nachdem im Fall des Lessenicher Sportplatzes zunächst alles nach Plan lief, kommt jetzt kurz vor dem Beginn der Baumaßnahme doch noch Sand ins Getriebe. Muss das sein?

Bestimmt nicht. Richtig ist zwar, daß die Grundbucheintragung für den Vertrag vom Amts­ge­richt besiegelt werden muss. Aber gleichwohl könnte die Stadt parallel dazu schon grünes Licht für die Bauarbeiten geben, zumindest aber für die Einrichtung der Baustelle, damit der Bau­zeit­plan ein­ge­halten wird und die Bau­stelle nicht über die Winter­monate brach liegt.

Deshalb sollte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch jetzt einerseits ein Machtwort sprechen und andererseits darauf drängen, daß die noch erforderlichen Schritte zügig erledigt werden. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Den möglichst schnell zu beschreiten, muss jetzt Priorität bei der Verwaltung haben. Und nicht, weitere Bedenken vorzubringen.

Für beite Artikel gilt: Quelle: General-Anzeiger, 17.10.2014

 

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